...steht für
den sogenannten Englischen Stil standardisierter Tänze, die
heutzutage fast ausschließlich bei Sportturnieren als
"Standardtänze" mit Wiener Walzer ("Ballroom")
bzw. ohne ("Modern") getanzt
werden. So steht der Zylinder und der
Frack mit weißer Fliege symbolisch für ein "bis zum
Grab" korrektes Bürgertum, das
sich bereits im späten 19. Jahrhundert innerhalb der preußisch-österreichischen
Gesellschaft entwickelte. Bei den Standard-Turnieren wird auch
heute noch das Korsett geschnürte Barockkleid und der Frack
als unverzichtbares Kennzeichen der Selbstkasteiung getragen
und der militärische Rhythmus des Marsches bei der Präsentation
der Turniertanzpaare gespielt.
Hierbei hat sich der Wiener Walzer bis heute eine
gewisse Eigenständigkeit im Bürgertum bewahrt. Die Ball-Tradition Wiens
wird auch heute weiterhin von den unterschiedlichsten
historisch-gesellschaftlichen Gruppierungen (Stände und Zünfte) der bürgerlichen Mittelschicht
gepflegt, mehr und mehr jedoch nur noch aus
merkantilen Beweggründen heraus aufrecht erhalten (Opernball).
So hat sich z.B.
der "Brautwalzer" in weiten Kreisen der Bevölkerung
der westlichen Welt als ritueller Bestandteil der
Hochzeitsfeier erhalten können, da das weiche Ein- und
Ausschwingen zur schmelzenden Musik klassischer Melodien
den Walzer zum "Tanz des Herzens" macht. In immer noch preußisch
geprägten Landstrichen Mitteldeutschlands wird der Wiener
Walzer als sog. "Königstanz" gepflegt wie
z.B. bei den Schützenfesten des Sauerlandes, wo sich die
Damen des "Hofstaates" im "Großen
Ballkleid" präsentieren.
Um die Wende zum 19. Jahrhundert fanden die Vorformen des
Walzers („Ländler“ und „Deutscher“) Eingang in die
osmanische Kunstmusik. Ähnlich wie etwa zur selben Zeit im
Westen orientalisches „alla turca“-Kolorit in Mode war,
fanden die Sultane Selim III. und Mahmud II. Geschmack an
den für sie wiederum exotischen Tänzen im Dreiertakt, an die
ein Hofmusiker wie Hamamîzâde Ismail Dede Efendi (1778-1846)
dann seine Kompositionen anlehnte. Daneben erhielt das
Metrum in verlangsamtem Tempo auch eine fundamentale
Bedeutung im rituellen Tanz der wirbelnden Derwische und
gewann so etwas von seiner jedenfalls im Unterhaltungssektor
der abendländischen Musik verloren gegangenen, mystischen
Symbolkraft zurück.
Unter dem Motto „The Waltz - Ecstasy and Mysticism“, das
sie ihrer im Jubiläumsjahr erschienen und hochgelobten
zweiten gemeinsamen CD entlehnt haben, laden Concerto Köln
und Sarband, das
Spezialensemble für Musik islamischer Länder, zum spannenden
Nachvollzug eines fast vergessenen Tête-à-tête zwischen
Orient und Okzident ein. Deutsche Tänze von Mozart und
Beethoven, Walzer von Lanner und Strauß sen. begegnen
Kompositionen von Dede Efendi, Abdi Efendi (1787-1851) oder
Demetrius Cantemir (1673-1723), wobei Letztere in speziellen
Arrangements von Sarband-Gründer Vladimir Ivanoff
verschiedentlich unter Beteiligung klassischer
Orchesterinstrumente erklingen.
Tanzende Derwische
Gespannt darf man auch auf die choreografischen Einlagen
sein, die von zwei Mevlevî-Derwischen und einem Tänzerpaar
aus dem Umfeld Pina Bauschs gestaltet werden. Für diesen
Punkt hat man infolge der jüngsten Tournee-Erfahrungen
andere Konzepte entwickelt. Sogar Jochen Schäfsmeier von
Concerto Köln gibt zu: „Diese Choreografie ist auch für uns
noch völlig neu.“
Das Konzert steht so deutlich im Zeichen des Dialogs
zwischen verschiedenen Kulturen, dass sich
Philharmonie-Intendant Louwrens Langevoort gerne bereit
erklärte, „wir helfen“ mit drei Euro pro verkaufter Karte zu
unterstützen. Noch bis Ende Oktober fördert „wir helfen“
hervorragende Projekte, die dem friedlichen Zusammenleben
von Kindern aus verschiedenen Kulturkreisen in und um Köln
dienen.
Die schwingenden (Standard-) Tänze entstanden
Anfang der 20er Jahre des 20.Jahrhunderts in einer Parallel-Entwicklung
des Langsamen Walzers oder auch "English
Waltz", des (Slow-) Foxtrott und des Quickstep.
Tanztechnisch gesehen handelt es sich um ein und den gleichen
Tanz, welcher sich den jeweiligen Gegebenheiten der Musik anpasst.
Die vorwärtsstrebenden, linearen Bewegungen im dem
Schieber ähnlichen Gleittanz Boston entwickelten
sich mit raumgreifenden Drehungen zum Langsamen Walzer (3/4
Takt). Mit den Drehungsumfängen (3/8) entstand die diagonale
Struktur der schwingenden Tänze.
Das lineare Schrittmuster, auf einer natürlichen Gehbewegung
beruhend, blieb im (Slow-) Foxtrott erhalten und vermittelt
dem Tänzer am ehesten das Gefühl zu schweben, dem Zuschauer
ein gewisses "Englisches Understatement". Die
Kontinuität im Bewegungsfluss wird durch den taktübergreifenden
Rhythmus des langsam fließenden 4/4 -Taktes beim Foxtrott
unterstützt, welcher jedoch das 3-SchrittMuster noch immer
mit dem Walzer gemeinsam hat. Die weiten Schwünge sollten der
Bewegung eines Pendels entsprechen.
Parallel zur Entwicklung des Walzers und des Slow hatte
sich mit dem Einzug des
swingenden Ragtime der Schwarzen das Tempo der amerikanischen
Marschmusik
beschleunigt, bis im Jahre 1927 der allgemein verbreitete One-Step
( auch Schieber oder Marschtanz genannt ),durch einen "Quick-Time Foxtrott and
Charleston" ersetzt wurde.
Die Standardisierung der Tänze in den
militärisch geprägten 20er Jahren erfolgte (nicht ohne Grund)
durch die englische Gesellschaft. Die sprichwörtliche Korrektheit des Engländers
("Very British") steht hier für den
"Englischen Stil" der schwingenden Tänze.
Normierung und Standardisierung der Tänze entsprachen und
entsprechen noch heute dem Bedürfnis weiter Teile der
Leistungsgesellschaft nach Vergleichbarkeit und auch nach
Bewertbarkeit (sowohl materiell als auch ideell ) aller
Lebensbereiche, was durch technische Perfektionierung und Präzision
erzielt werden soll. Dieses Ziel leitet sich her von der Idee,
jeder könne mit harter Arbeit über die totale Kontrolle und
Beherrschung (auch des eigenen Körpers) ein möglichst hohes
Maß an Freiheit erreichen, alles sei eine Frage des persönlichen
Engagements ("Vom Tellerwäscher zum Millionär"),
und führt sich so auch geschichtlich fort im "American
Dream". Das barocke "Sissy"-Bild des
monarchistischen Österreich kommt bereits 1872 mit einem
monströsen Konzert des "Walzerkönigs" Johann
Strauß nach Boston/USA und spiegelt sich zur Zeit des
"Wirtschaftswunders" in der Romantik eines Fred
Astair, später in der "Barbie"-Mentalität und
Technik-Gläubigkeit des US-Bürgers, welcher im gepflegten
Vororteigenheim seinem stilisierten Freiheitsbegriff nachträumt.
Der Quickstep ist
vom Charakter
her eher ein schnell getanzter
Langsamer Walzer geblieben als ein
Foxtrott, bei weiterlaufendem Schwung beim Fußschluss,
weniger Vorwärts- und Rückwärts- als Seitwärtsbewegungen.
Durch die besonders schnellen Schrittfolgen, die
Charleston-Elemente und die fröhliche Musik gilt der
Quickstep als "Champagner" unter den Standardtänzen,
spritzig und prickelnd.
Disclaimer:
Alle Rechte vorbehalten. Texte Bilder Graphiken Sound Animationen und Videos
unterliegen dem Schutz des Urheberrechts und anderer Schutzgesetze. Der
Inhalt dieser Website darf nicht zu kommerziellen Zwecken kopiert,
verbreitet oder Dritten zugänglich gemacht werden. Irrtümer und Änderungen
vorbehalten. Sollten wir auf diesen Seiten Verknüpfungen zu anderen Seiten
im Internet angelegt haben, so haben wir auf sämtliche Links keinerlei
Einfluss. Deshalb distanzieren wir uns ausdrücklich von allen Inhalten der
verknüpften Seiten. Diese Erklärung gilt für alle auf dieser Seite
angebrachten Links und für alle Inhalte der Seiten, zu denen ggf. Banner
führen.
Die Tanzschule
Jürgen Hoffmann ist Teilnehmer des Partnerprogramms von Amazon Europe S.à
r.l., ein Partnerwerbeprogramm, das für Websites konzipiert wurde, mittels
dessen durch die Platzierung von Werbeanzeigen und Links zu amazon.de
Werbekostenerstattungen verdient werden können.