Der
Boogie Woogie / Jive ist der Tanz der
Jugend, einerseits ein Tanz für
junge Leute,
anderseits ein Jungbrunnen zum Jungbleiben.
Jive und Boogie sind
Rhythmus pur um seiner
Selbst willen und damit der "Spaßtanz"
schlechthin.
Die Wurzeln der Swingmusik liegen beim Jazz der Schwarzen Nordamerikas am
Beginn des 20. Jahrhunderts. Die ersten wildesten Tanzformen des Jitterbug, Lindy
Hop und Charleston entstanden zur Zeit der Prohibition
(Alkoholverbot) in der Unterwelt der
Nordamerikanischen Großstädte im "Jive"-Milieu und wurden bald
mit stark synkopisiertem Bounce zur Boogie-Woogie Musik im Triple-Time
interpretiert. Die Swingmusik und damit auch der Swing als Tanz, schwappte mit
den Großen Big Bands wie Glenn Miller und Benny Goodman nach dem 2. Weltkrieg
über den Atlantik nach Europa. Erst zu Beginn der 50er Jahre, als die Weißen
begannen, die schwarzem Musiker zu imitieren, entwickelte sich hieraus die
zunächst zahmere Form des Rock'n Roll im Double-Time Rhythmus, welcher ab Ende
der 50er Jahre über die wilderen Formen zum sportlich-akrobatisch gesprungenen 9-er
Schrittsatz führte. Der Begriff Rock´n Roll, im Slang der Farbigen durchaus
mit einer eindeutig sexuellen Bedeutung belegt, wurde Anfang der 50er Jahre
geprägt und wurde vor dieser Zeit hauptsächlich auch nur von Farbigen getanzt,
welche rhythmische Variationen des Step-Tanzens assimilierten. Auf den
Tanzpartys schwarzer Musiker vor jugendlichem weißen Publikum wurde Swing in
der Form von Jitterbug und Boogie Woogie Rhythmus getanzt.
Mit
Bill Haley übernahmen die weißen Musiker den "schwarzen Beat" ( 1954
- Rock around the Clock ) und mit Elvis Presley gelang der internationale
Durchbruch der ursprünglichen Protestwelle. Die Jugend rebellierte gegen den
Widerstand der älteren Generationen, welche die "kriminelle Musik" und
die rollenden Beckenbewegungen ( "Elvis the Pelvis" ) verabscheuten. Seit Mitte
der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts konnte sich schließlich der Rock´n
Roll mit dem 9er Sprungschritt als eine eigene Sportart etablieren und ist heute
mit seinen Akrobatikfiguren bis hin zum dreifachen Salto eher zirkusreif und
erfordert für die sportlichen Höchstleistungen diszipliniertestes Training. Mit Erotik hat das Ganze gar nichts mehr zu tun.
Cool Swing!
-------------> YouTube
Dan's
Jam(Dan
tanzt Lindy mit "zig" verschiedenen Damen!)
In Verbindung mit der aufkeimenden Selbstdemonstration des
Ich-bezogenen Solo-Tanzens ("Auseinander-Tanzen") in einer mit der "sexuellen Revolution" verbundenen Leistungsgesellschaft der "Wirtschaftswunder-Zeit" stand
auch bei der
zeitgenössischen Erscheinungsform des Twist der akrobatische Aspekt eher
im Vordergrund. Jeder entdeckte seinen Körper neu, binnenkörperliche Bewegungen
("Verrenkungen") leiteten das Emanzipationszeitalter ein.
Durch die
Entwicklung der
Beat-Musik in den 60er und 70er Jahren vom Swing zum
Rock mit einer wesentlich schnelleren, gleichmäßigen Abfolge der Beats
ohne Synkopen und Off-Beats kam eine abgespeckte Version des Swing-Tanzes
in Mode: der im Single-Time getanzte Disco-Fox, der mit dem Foxtrott (Quickstep)
sogut wie nichts zu tun hat und eher Disco-Beat genannt werden müsste.
Aufgrund der heutigen musikalischen Stilrichtungen mit stark akzentuierten
Off-Beats und Synkopen in der Hip-Hop - Szene, verbunden mit einem Comeback der
Boogie-Woogie- und Swing-Musik geht der Trend wieder "Back to the Roots",
vom Disco-Fox zum Swing mit seinen vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten
von Steptanz-Elementen über Charleston-Variationen hin zu Rock'n
Roll.
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